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Standortbuchhandel? Zur Verwendung von Fachbegriffen.

7. Juni 2011

Immer öfter läuft mir in Diplom- und Bachelorarbeiten der Begriff „Standortbuchhandel“ über den Weg. Als ich den Begriff das erste Mal während eines Betreuungsgesprächs hörte, musste ich doch glatt nachfragen, was das denn sei. Als Antwort bekam ich in etwa „Ähm… ja, also… das sind die Buchhandlungen, die ein Ladengeschäft haben… der ganz normale Buchhandel eben… das ist doch ein gängiger Begriff in der Branche!?“

Ist er das?

Wenn man nach dem Begriff in einer bekannten Suchmaschine eingibt, erhält man allerlei Links, die hauptsächlich auf die einschlägigen Branchenblätter hinweisen. Vereinzelt wird der Begriff von anderen Blogschreibern aufgegriffen und übernommen.

Dabei fällt auf, dass der Begriff keineswegs einheitlich verwendet wird. Zum einen wird der Begriff zur Abgrenzung gegenüber dem Internetbuchhandel (die keinen Standort haben) verwendet (http://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum/2011/05/30/das-preisargument-aktivieren.htm).

Zum anderen wird der Begriff zur Abgrenzung der kleineren und mittleren (eingliedrigen) Buchhandlungen von den Filial-Buchhandlungen (mehrgliedrige Betriebe) verwendet http://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum/2011/01/04/wohlfuehlbuchhandlung-ohne-warendruck.htm).

Sowohl die eine wie die andere Verwendung des Begriffs „Standortbuchhandel“ ist jedoch verfehlt.

Die Abgrenzung der kleineren und mittleren Buchhandlungen kann nicht über den Begriff „Standort…“ erfolgen, weil auch die Filialunternehmen über Standorte verfügen, und somit ebenfalls Standortbuchhandlungen sind. Die Niederlassung an einem Standort kann also kein Abgrenzungsmerkmal zwischen unterschiedlichen Betriebstypen im Buchhandel sein.

Eine gesonderte Bezeichnung für die Abgrenzung zwischen dem „brick-and-mortar“-Buchhandel und dem Internetbuchhandel ist nicht notwendig, weil es sie schon gibt. Der Fachbegriff dafür lautet nämlich: stationärer Buchhandel. Der Internet-Buchhandel ist dagegen nicht stationär.

Journalisten können ja schreiben, was sie wollen und Begriffe verwenden, wie sie möchten. Man sollte nur nicht den Fehler machen, die Fehlverwendung von Begriffen unkritisch zu übernehmen und sie zu allgemeingültigen Fachbegriffen erklären, nur weil sie in mehreren Artikeln verwendet werden.

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From → Aktuelles

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